Elektrische Bettdecke

Lichttherapie: Wie funktioniert sie und was sagt die Wissenschaft?

19 März, 2025
Jürgen Swinnen

Die Lichttherapie ist eine wissenschaftlich fundierte Behandlung, die bei psychischen und schlafbezogenen Störungen immer mehr an Bedeutung gewinnt. In diesem Artikel tauchen wir tief in die Funktionsweise, die Anwendungen und die wissenschaftlichen Grundlagen der Lichttherapie ein.

Welche Auswirkungen hat die Lichttherapie auf den Schlaf?

Die Lichttherapie beeinflusst unsere biologische Uhr durch die Exposition gegenüber speziell entwickelten Lichtquellen. Dieses Licht, in der Regel helles weiß-blaues Licht mit einer Intensität von 9.000-10.000 Lux, reduziert die Produktion von Melatonin (das Hormon, das Schläfrigkeit verursacht) und stimuliert Serotonin (das Glückshormon). Dieser Prozess hilft dabei, den Schlaf-Wach-Rhythmus wiederherzustellen, was zu einer Verbesserung von Stimmung, Energie und Schlafqualität führen kann.

Die Therapie funktioniert über Verbindungen zwischen der Netzhaut im Auge und bestimmten Gehirnbereichen. Gewöhnliche Innenraumbeleuchtung reicht dafür nicht aus: eine Standard-Tischlampe bietet nur 300 Lux, während die Bürobeleuchtung nach europäischen Normen (NBN-EN 12464-1) etwa 500 Lux beträgt. Daher werden spezielle Lampen oder Lichtbrillen verwendet, um den gewünschten therapeutischen Effekt zu erzielen.

Wann ist die Lichttherapie am wirksamsten?

Eine der bekanntesten Anwendungen der Lichttherapie ist die saisonale affektive Störung (kurz SAD), auch bekannt als Winterdepression.

In Nordeuropa sind jedes Jahr etwa 30% der Bevölkerung von SAD betroffen. In Belgien und den Niederlanden liegt die Zahl bei 8 %, während 8 % mildere Symptome aufweisen. Diese Erkrankung ist durch depressive Symptome wie Müdigkeit, Niedergeschlagenheit und ein erhöhtes Schlafbedürfnis während der dunklen Wintermonate gekennzeichnet.

Die Ursache liegt in einem Mangel an natürlichem Tageslicht, was zu einem hormonellen Ungleichgewicht führt: weniger Serotonin und mehr Melatonin. Die Lichttherapie hilft, dieses Gleichgewicht wiederherzustellen und gilt als Standardbehandlung für SAD. Viele Anwender berichten von einer Verbesserung ihrer Stimmung und ihres Energieniveaus innerhalb weniger Tage.

Je näher Sie am Äquator leben, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Winterdepression. Je näher an den Polen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer SAD.

Hilft die Lichttherapie auch bei anderen Erkrankungen?

Obwohl die Lichttherapie vor allem als Behandlung von Winterdepressionen bekannt ist, hat die Forschung gezeigt, dass sie auch bei anderen Erkrankungen wirksam sein kann:

  • Nicht saisonale Depressionen: Obwohl die Evidenz in diesem Bereich eher begrenzt ist, wird eine Lichttherapie manchmal in Betracht gezogen, wenn Medikamente unwirksam sind oder unerwünschte Nebenwirkungen haben.
  • Bipolare Störung: Studien zeigen, dass die Lichttherapie bei bipolaren Depressionen helfen kann, ohne das Risiko einer (Hypo-)Manie zu erhöhen. Sie wird als eine Behandlungsoption der dritten Wahl betrachtet.
  • Schlafstörungen: Lichttherapie kann bei Problemen wie Schichtarbeitsstörungen, Jetlag und dem Syndrom der verzögerten Schlafphase helfen. Bei Nachtarbeitern werden intelligente Lichtbrillen eingesetzt, um den zirkadianen Rhythmus zu unterstützen.
  • ADHS-bedingte Schlafprobleme: Bei Kindern mit ADHS werden Schlafprobleme oft durch Medikamente oder Verhaltenssymptome verschlimmert. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine Lichttherapie die Schlafqualität verbessern und möglicherweise sogar die ADHS-Symptome verringern kann.
  • Dermatologische Erkrankungen: Dermatologen wenden die Lichttherapie seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich als Behandlungsmethode für eine Vielzahl von Hautkrankheiten wie Psoriasis, Ekzeme, Vitiligo und urämischen Juckreiz an.

Wie verwenden Sie die Lichtbrille?

Wir möchten Ihnen einige praktische Tipps für die Anwendung der Lichttherapie geben:

  • Benutzen Sie eine Lichtbrille oder eine Lampe für 30 Minuten direkt nach dem Aufwachen, um Ihre biologische Uhr zu aktivieren.
  • Für abendliche Aktivitäten kann eine zusätzliche Nutzung gegen 16 Uhr sinnvoll sein.
  • Kombinieren Sie das morgendliche Licht mit der abendlichen Verwendung einer orangefarbenen Brille, die blaues Licht blockiert, um die Melatoninproduktion am Abend anzuregen.

In klinischen Einrichtungen wird in der Regel ein strukturiertes Protokoll befolgt, z.B. 45 Minuten Lichttherapie täglich für eine Woche, oft in einer psychiatrischen Ambulanz.

Ist die Lichttherapie für jeden gesund?

Obwohl die Lichttherapie bei richtiger Anwendung vielversprechend ist, gibt es einige Einschränkungen:

  • Die Nachweise für nicht-saisonale Depressionen und ADHS-bezogene Anwendungen sind noch in der Entwicklung.
  • Für einige Erkrankungen sind noch weitere Untersuchungen erforderlich, um die Wirksamkeit zu belegen.

Dennoch stellt die Lichttherapie für viele Menschen eine sichere Option dar. Die Zahl der berichteten Nebenwirkungen ist eher gering. Wenn mehr Studien durchgeführt werden, werden möglicherweise neue Anwendungen entdeckt und die Protokolle weiter verfeinert.

Fazit – Wie funktioniert die Lichttherapie?

Die Lichttherapie ist eine wirksame Methode zur Behandlung von Stimmungsstörungen und Schlafproblemen, indem sie die biologische Uhr neu kalibriert. Ganz gleich, ob Sie mit Winterdepressionen, Schlafproblemen oder anderen damit zusammenhängenden Beschwerden zu kämpfen haben, diese Therapie bietet eine wissenschaftlich fundierte Lösung, die Sie leicht in Ihren Alltag integrieren können. Mit der richtigen Anleitung kann die Lichttherapie zu einer besseren Stimmung, mehr Energie und gesünderen Schlafgewohnheiten beitragen.